Unglücklich das Land, das keine Helden hat!
Nein, unglücklich das Land, das Helden braucht.
(aus Brechts “Leben des Galilei”)

Diese Textstellen beschäftigen mich nun schon einige Zeit. Dass die Welt Helden nötig hat, ist eigentlich kaum abzustreiten.
Aber was sind Helden?
Sind es die, die für ihre Ideale bis zum Schluss aufrecht gehen? Oder sind es die, die trotz ihren Idealen auch mal (beinahe verräterische) Umwege gehen? Sterben Helden für solche Ideale, fürchten nichts, oder geben Helden nach, scheinbar auf, um irgendwie doch weiterkämpfen zu können?
Im Buch stellt sich die Frage, da Galilei seine Lehre von der Sonne als Zentrum der Welt widerrufen hat, um durch die Kirche nicht sterben zu müssen. Angenommen, er hat dies getan, um weiterforschen zu können, die Discorsi fertig schreiben zu können, der Welt also weiterhin gewissermaßen nach seinen Maßstäben dienen zu können – war diese Entscheidung dann heldenhaft? Oder wäre nur die Entscheidung für den Tod heldenhaft gewesen, die gezeigt hätte, woran er glaubt und wozu er steht?
Sind heldenhafte Untergänge oder scheinbar ausgeklügelte Entscheidungen (die etwas anderes darstellen, als sie eigentlich verfolgen) das, was die Welt braucht?
Oder braucht die Welt möglicherweise etwas völlig anderes, um Menschen zu erreichen? Nicht, um ihr Gehör zu leihen. Um sie zu erreichen.
Wie ein Jojo beantworten sich diese Fragen und werfen andere, manchmal neue, manchmal auch alte, wieder auf. Ich komme zu keiner Lösung. Da jede Lösung etwas übrig lässt. Wie die Schaufel, die immer etwas Dreck vor der Kante liegen hat, den der Besen einfach nicht auf diese verflixte Schaufel bekommt.